Die Richtlinie in ihrem Umfeld

 

Das Nutztier im Geflecht der ökonomischen Interessen

Nutztiere werden gehalten, um dem Konsumenten als Lebensmittel zu dienen. Sei es direkt als Fleisch oder indirekt über Milch und Eier.

Aber auch eine Reihe weiterer Mitspieler und Marktpartner haben durchaus ökonomische Interessen im Bereich der Nutztiere:

  • Landwirte, indem sie über Erzeugung und Verkauf von Nutztieren und deren Produkten ihren Lebensunterhalt bestreiten.
  • Transport, Schlachtung sowie Verarbeitung (von Fleisch, Milch und Eiern) und Handel generieren durch die Nutztiere ebenfalls Umsatz und Einkommen.
  • Nicht zu vergessen sind jene Bereiche, die Vorleistungen zur Verfügung stellen, wie Futtermittelindustrie, Stallbaufirmen, Firmen der Tierzucht und nicht zuletzt die Pharmaindustrie und Tierärzte.

 

In diesem Spannungsfeld der unterschiedlichsten Interessenslagen und durch die permanente Weiterentwicklung der technologischen Möglichkeiten haben sich Formen der Nutztierhaltung entwickelt, die auf die Bedürfnisse der Tiere kaum Rücksicht nehmen. Und allzu lange wollten viele Konsumenten erst gar nicht wissen, was in den Ställen, in denen ein guter Teil unserer Lebensmittel erzeugt wird, wirklich vor sich geht.

In diesem Interessensmix wurde das Nutztier über Jahrzehnte nur als Produktionsfaktor gesehen. Nutztiere wurden weder als Tiere mit arteigenen Bedürfnissen, noch als Teil der Natur und schon gar nicht als leidensfähige Individuen wahrgenommen.

Erst ein bestimmtes Wohlstandsniveau und ein Entwicklungsstand der Gesellschaft mit relativ hohen ethischen und sozialen Standards haben es ermöglicht, dass die Zustände in der Tierhaltung zu einem breiten Diskussionsthema wurden. Die erste Konsequenz aus dieser Diskussion war der Ausstieg des Handels aus dem Verkauf von Käfigeiern im Frischeibereich in Österreich in den 1990er Jahren.

Mit dem Aufstieg der Biolandwirtschaft und den vielen angebotenen Bioprodukten kann der Konsument durchaus bessere Tierhaltungsformen im Handel erkennen und bevorzugen. Dennoch haben in Österreich Bioprodukte im tierischen Bereich nur bei Eiern und Milch Marktanteile um die 20 Prozent erreichen können. Bei Fleisch und Wurst liegen die Marktanteile noch unter 5 Prozent.

Die große Mehrheit der Nutztiere – vor allem für die Fleischproduktion – muss nach wie vor unter den schlechten Bedingungen des gesetzlichen Mindeststandards leben.

Der Bewusstseinswandel der letzten Jahre

Viele Konsumenten wollen die Art, wie mit Nutztieren umgegangen wird, nicht mehr mittragen. Sie gehen zunehmend den Weg zu weniger Fleischkonsum, vegetarischer oder veganer Ernährung.

Im Lebensmittelhandel weiß man zwischenzeitlich auch ziemlich genau, unter welch schlechten Bedingungen die Nutztiere leben müssen.  Viele Handelsfirmen sind daher auf der Suche nach Projekten, in denen Nutztiere unter deutlich besseren Bedingungen gehalten werden.

Nicht zuletzt realisieren immer mehr Landwirte sowie Schlacht- und Verarbeitungsbetriebe, dass der internationale Wettbewerb auf der untersten Ebene der Tierhaltungsstandards unter österreichischen Bedingungen nicht zu gewinnen ist.

Und auch der vorgelagerte Bereich denkt längst schon weiter. Stallbaufirmen haben alles im Programm, was eine gute Tierhaltung ermöglichen würde. Auch die Tierzuchtfirmen bieten neben schnellwachsenden und höchstleistenden Tieren längst auch langsamer wachsende, nicht qualgezüchtete Tiere an.

Zusammenfassend ist daher festzuhalten, dass die Voraussetzungen zur Umsetzung verbesserter Lebensbedingungen für die Nutztiere noch nie so gut waren wie jetzt.